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Aktion zu Ausstellung am Ikeabauzaun

Keine Bilder am Zaun! Eine Folge des Briefes an Ikea und Co?

15. April 2012

Nur noch helle Spuren am Bauzaun in der Großen Bergstraße erinnern, wo einst eine Ausstellung hing. Seit April 2012 sind die Bilder abgehängt, während die IKEA-Baustelle noch immer im Stillstand verharrt. anna elbe hatte das Zusammenspiel zwischen Bild und Bildunterschrift mit einem Brief an IKEA und die weiteren Sponsoren zurecht kritisch angemerkt (s.u.).

Wurde die Ausstellung deshalb entfernt?

Ikeazaun leer

Die Bilder sind weg

Ikeazaun leer

Fotos: anna elbe, 15.04.2012

 

Folgenden Brief sendete anna elbe am 19. Februar 2012 an:

Ikea Deutschland - Herrn Peter Betzel, Geschäftsführer

In Kopie:
• Ikea Altona, Herrn Jan Moebus, Projektentwickler
• Bezirksamt Altona, Herrn Jürgen Warmke-Rose, Bezirksamtsleiter
• Altonaer Stadtarchiv, Herrn Wolfgang Vacano
• ECA EinkaufsCity Altona
• Foto Company Altona, Frau Ulrike Juliane Vorpagel, Geschäftsführerin

Altonas BürgerInnen irritiert über die Ausstellung "Altona in Variationen" am Ikea-Bauzaun

Sehr geehrter Herr Betzel,

verwundert und irritiert nehmen wir, Altonas BürgerInnen, die Bilder und Texte der 50 (gezählte 29) Phototafeln „Altona in Variationen“ am Zaun der Ikea-Baugrube in der Großen Bergstraße zur Kenntnis.

Ausstellung am Bauzaun

Ausstellung "Altona in Variationen" des Altonaer Stadtarchivs
am Ikea-Bauzaun in der Großen Bergstraße im Februar 2012

Nach Ansage des ausstellenden Altonaer Stadtarchivs würden die Bilder „Meilensteine der Altonaer Geschichte“ darstellen und seien als „Bildungsveranstaltung“(1) zu verstehen. Was tatsächlich zu sehen ist, sind historische und heutige Aufnahmen von Gebäuden, Denkmälern u.a. Warum ausgerechnet diese Bildmotive ausgewählt wurden und andere weg gelassen, und welche Art Geschichtsdidaktik hier betrieben werden soll, erschließt sich dem Betrachter nicht; ein Ausstellungskonzept sucht man vor Ort vergebens.

Wohlgemerkt, in der folgenden Ausführung soll die eifrige Sammeltätigkeit des (privat betriebenen) Altonaer Stadtarchivs nicht in Abrede gestellt werden. In vielen Hamburger Stadtteilen finden sich neben den Geschichtswerkstätten auch leidenschaftliche Laien, die sich für die Lokalgeschichte interessieren. Problematisch ist vielmehr die nichtprofessionelle geschichtsinterpretatorische, ausstellungskuratorische und auch ersichtlich interessengeleitete Arbeit.

Am Ikea-Bauzaun entsteht der Eindruck einer recht beliebigen Auswahl von Bild und Text nach persönlichem Geschmack. Was hat die Photographie von der Spaßparade/Stamp! beispielsweise mit den historischen Aufnahmen zu tun? Warum haben einige Texte einen an den - offensichtlich unterschätzten - Betrachter stark appellierenden Charakter? Warum werden ausgerechnet die Bilder, die an das „Kaiserliche“ in Altona erinnern (Denkmäler, Pavillon) mit begeisterten Adjektiven wie „bemerkenswert“, „wunderschön“, „ansehnlich“, „herrlich“ u.a. kommentiert, während die übrigen Bilder mit recht nüchternen Begleittexten auskommen? Einige Fotoaufnahmen legen wir dieser Mail bei.

Dass diese „Bildungsveranstaltung“ „in Variationen“ auch politische Aussagen macht, wird an mehreren Stellen sichtbar. Wir möchten diese an zwei Beispielen erläutern:

Kornblumenmosaik

Historisches Bild des Kornblumenmosaiks in der
Bauzaun-Ausstellung

Auf drei großen Bildern wird ein Kaiserkult betrieben, der in unserem interkulturellen und toleranten Stadtteil doch sehr befremdet. So wird die Fassadenskulptur des Kaisers Wilhelm I an der Willebrandstraße in Bildunterschrift hoch gejubelt: der angeblich „einst sehr beliebte Kaiser“ wurde mit einem „ansehnlichen Denkmal geehrt“. Im märchenhaften Sprachstil wird in einem weiteren Bild der „wunderschöne“ Teilausschnitt des „Kornblumen Mosaiks“ (gemeint ist wohl: „Teilausschnitt des wunderschönen Kornblumenmosaiks“) kommentiert, „welches aus seinem ‚Dornröschenschlaf‘ erweckt werden möchte“ - wer es glaubt.

Ob es wirklich angebracht ist, das hier gepriesene Kornblumenmosaik unter dem Kaiserdenkmal vor dem Rathaus Altona wieder frei zu legen, wie es das Altonaer Stadtarchiv seit Jahren fordert, muss angesichts der politisch belasteten Kulturgeschichte der blauen Blume im Stadtteil sorgfältig diskutiert werden.

Längst hat die Kornblume ihre semantische Unschuld verloren. Die Blüte wurde das Zeichen der Königin Luise von Preußen, und Kornblumensträuße umrahmten Bilder des Kaisers Wilhelm I und von Bismarck, bezugnehmend auf das Preussisch Blau der Uniformröcke. Sie wurde vereinnahmt von den rechtskonservativen und antisemitischen Deutschnationalen, von der imperialen „Alldeutschen Bewegung“ und vom kolonialen „Volksbund für Deutschtum im Ausland“, sie war das Erkennungszeichen unter dem Sakkorevers der NSDAP-Mitglieder. Sie diente als Symbol für den "Bund Königin Luise“, einen aus Frauen bestehenden Stahlhelm-Verband. Und schließlich findet sich die Kornblume auf Hitler-Porträts. Heute ziert sie das Knopfloch und die Jägerhutschnur so manchner Rechtspopulisten der österreichischen Haider-Partei FPÖ, die sich auf „Kornblumenbällen“ trifft. Dieses nahmen 36 SchriftstellerInnen, MusikerInnen und Kunstschaffende in Österreich zum Anlass, die zweijährige (2007-2009) Veranstaltungsreihe „Kornblumen“ zu initiieren, die die rechtslastige Symbolik kritisch unter die Lupe zu nimmt(2).

Denkmal

Bauzaun-Ausstellung "Altona in Variationen": Bildtafel mit einer
Fotografie des Denkmals für Wilhelm I mit den Sockelfiguren vor dem Rathaus Altona und ein historisches Bild des Kornblumenmosaiks

Wir gehen davon aus, dass das Altonaer Stadtarchiv von diesem problematischen Hintergrund der Kornblume nichts wusste. Auf alle Fälle sollte eine womögliche Freilegung des Kornblumenmosaiks vor dem Altonaer Rathaus mit notwendigem historischen Fachwissen begleitet werden. Das Mosaik müsste mit viel Fingerspitzengefühl geschichtsdidaktisch dekonstruiert und kontextualisiert werden - insbesondere auf die Frage hin, wie und ob überhaupt sich dieser mit der benachbarten „Schwarzen Form“ von Sol LeWitt verträgt, die an die verschleppten und ermordeten „Missing Jews“ in Altona erinnert.

Das Altonaer Stadtarchiv treibt schon lange ein ehrendes Kaiser-Gedenken voran, was den meisten StadtteilbewohnerInnen im interkulturellen Altona unzeitgemäß und unpassend erscheint. Ebenso ist es in Hamburgs Hafencity unverständlich, wenn aus einer ehemaligen Hafenanlage eine neue Straße namens Kaiserkai wird, an dem sich nun Gastronomien mit Namen wie „Kaiser‘s Café“, „Klein und Kaiserlich“ und „Kaiser Perle“ aneinander reihen.

Schon bei der Niederschlagung der März-Revolution 1848 hatte sich der als „Kartätschenprinz“ verspottete und als „Schlächtermeister“ verrufene Wilhelm beim Volk unbeliebt gemacht. Als Kaiser der Deutschen regierte Wilhelm I im fernen Berlin, während seine Untertanen nicht nur in Altona und Hamburg bettelarm wurden; sie litten Hunger und fingen an, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Mit Bismarck erließ der Kaiser das berüchtigte Sozialistengesetz (1879-1890), welches das „Vierstädtegebiet“ (Altona, Ottensen, Wandsbek, Hamburg) besonders hart traf. Jegliche politische Betätigung wurde verboten. Ein Ausnahmegesetz - „Kleiner Belagerungszustand“ genannt - ließ es zu, die Arbeiter willkürlich zu verhaften, auch diejenigen aus Berlin, die hierher geflüchtet waren. "Hunderte von Sozialdemokraten, die meisten von ihnen Familienväter, mußten ihre Wohnorte innerhalb weniger Tage oder sogar Stunden verlassen. Frau und Kinder der Ausgewiesenen blieben häufig mittellos zurück, weil der Ernährer noch nicht wußte, wo er sich eine neue Existenz würde aufbauen können. Viele gingen ins Ausland, oft nach Amerika."(3) Allein zwischen 1880 und 1885 mussten von hier aus 700 Zigarrenarbeiter, die meisten aus Altona und Ottensen, auswandern, weil ihnen Gefängnisstrafe drohte.(4)

Beliebter Kaiser

Bauzaun-Ausstellung "Altona in Variationen": Eine Bildtafel mit der Kaiser-Fassadenfigur. Die Bildunterschrift des Altonaer Stadtarchivs lautet: "Der einst sehr beliebte Kaiser Wilhelm I wurde in Altona um 1900 zwei Mal mit einem ansehnlichen Denkmal geehrt. Einmal mit einem Reiterstandbild vor dem Rathaus und mit diesem an der Willebrandstraße."

Der Enkel Wilhelm II ließ zahlreiche Denkmäler für Wilhelm I posthum errichten. Weil es in Preußen nicht üblich war, Monarchen zu Lebzeiten mit Denkmälern zu ehren, existieren in Deutschland nur zwei Reiterstandbilder für Wilhelm II. Dafür stellte dieser 425 Monumente für seinen Großvater auf in der Absicht, dem im Volk unbeliebten Wilhelm I die Aura eines gütigen Kaisers zu geben und ihn zum Mythos „Wilhelm der Große“ aufzubauen, nach dem Vorbild des „Friedrich des Großen“. Tatsächlich aber wollte er mit diesen Denkmälern vor allem sich selbst überhöhen.

Vor dem Altonaer Rathaus wurde Wilhelm I mit dem Reiterdenkmal und den symbolträchtigen Sockelfiguren als der „preussische Befreier“ Schleswig-Holsteins vom „dänischen Joch“ gefeiert. Dieser Mythenbildung ist das Altonaer Stadtarchiv offenbar aufgesessen, indem es in der Bauzaun-Austellung kommentiert, Wilhelm I sei ein allseits „beliebter Kaiser“ in Altona gewesen. Historisch fundiert ist diese Behauptung nicht. Auch verkennt das Altonaer Stadtarchiv offensichtlich, dass das Monument ein herrschaftliches und nationalistisch-preußisches Symbol ist. Ob aufgezwungene Danisierung oder preussische Gewalt - für die Altonaer Untertanen, für ihre existentiellen Nöte und Bedürfnisse hatte sich mit dem Machtwechsel indes wenig geändert. Dass das Altonaer Stadtarchiv, das den Altonaer Wappen im eigenen Logo trägt, ausgerechnet mit preußischen Reminiszenzen aus der Kaiserzeit die Geschichte „von oben“ kampagnenartig verteidigt, erschließt sich der Altonaer Bevölkerung nicht.

Die Ikea-PR-Maßnahme „Altona in Variationen“ ist ein gescheiterter Versuch, sich im Stadtteil zu verankern. Die unprofessionell gestaltete Ausstellung ist nicht in der Lage, im Stadtteil mehr Akzeptanz für Ihr Möbelhaus zu erreichen. Im Gegenteil: die Ausstellung am Bauzaun ist ein Dorn im Auge des Betrachters und ein Ärgernis im öffentlichen Raum.

Altona als Arbeiterstadtteil hat eine anders gelagerte historische und gegenwärtige Identität, die es verdient, andernorts angemessen dargestellt zu werden. Nationalistische, herrschaftliche und antidemokratische Wahrzeichen brauchten die selbstbewussten AltonaerInnen schon damals nicht, und auch heute pfeifen sie mehr denn je auf jegliche Art von Kaiserverehrung. Die erste Bauzaunausstellung im letzten Jahr, so berichtet Wolfgang Vacano vom Altonaer Stadtarchiv, wurde „von den Wänden gerissen“(5). Wen wundert‘s?

Auf Ihre Antwort sind wir gespannt.

Mit freundlichen Grüßen
anna elbe

 

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Offener Brief an Oberbaudirektor Walter - Bergspitze Altona-Altstadt

20. Februar 2012

Der folgende Brief wurde an unterschiedliche Medien und Herrn Oberbaudirektor Walter geschickt:

Offener Brief

Sehr geehrter Herr Oberbaudirektor Walter,

uns wurde bei der öffentlichen Anhörung am 25. Januar mitgeteilt, dass Ihre Zustimmung zur Realisierung des Vorhabens benötigt würde - und diese noch nicht vorläge.

Bis zum heutigen Datum haben Sie mindestens 135 Mails erhalten, in denen Sie aufgefordert werden, die Erteilung des Bauvorbescheides für die Bergspitze in Altona-Altstadt abzulehnen.

Bis heute ist uns keine Reaktion auf die Briefe bekannt. Auch ist uns nicht bekannt, ob Sie inzwischen Ihre Zustimmung erteilt haben.

Daher fragen wir Sie:

  • Haben Sie Ihre Zustimmung zu dem Vorhaben gegeben?
    Wenn ja, wann?
    Wenn nein, haben Sie vor dies zu tun?
  • Wie gehen Sie damit um, dass sich 135 Menschen persönlich an Sie wenden, um den Bau der Bergspitze in der geplanten Form zu verhindern?

Wir bitten Sie hiermit um eine Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen
anna elbe

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